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Freitag, 30. Dezember 2011

Ein Jahr hat leider keinen Arsch

2011: Du hast mir sooft in den Hintern getreten, ich würde mich gerne revanchieren.

Mittwoch, 21. September 2011

Born to be Wald

"Entschuldigung, fahren Sie auch ins Grüne?"


















Vollpfosten?



















Linksaußen von Neuhausen



















Das Tor zum Wald




















"Karsten! Spange, Mann!"



















Prinzessin?


















Lass' laufen




















Was wollt ihr dann? Um-welt-verschmutzung!

Donnerstag, 25. August 2011

Schuld und Sühne

Sie wollte das Licht ganz für sich: die Motte. Aber so kampflos konnte ich ihr das Feld nicht überlassen. Ich brauchte jeden einzelnen Schein zum Lesen. Dostojewski hätte es sicher auch so gewollt. Es ging alles ganz schnell: Lesezeichen eingelegt. Buchrücken über der auf der Ikea-Lampe sitzenden Motte positioniert, mit der anderen Hand die Lampe gehalten und zugeschlagen. Der Fleck auf meinem Buch: das Zeugnis meines Triumphes. Er ließ sich mit einem Taschentuch auch ganz einfach abwischen. Die Motte lag da. Auf dem Rücken. Nur die Fühler zuckten noch. Stimulierte Nervenenden im Todeskampf. Das Leben, das vom Rücken nach oben kroch und in finalen Zuckungen für immer von dieser Welt verschwand. Ich hoffe, mir geht es die nächsten Tage nicht wie Raskolnikow. Ansonsten wisst ihr ja, woher es kommt. Oder hätte ich nicht doch besser "Krieg und Frieden" nehmen sollen?

Dienstag, 23. August 2011

Das Tempo bremst Dich nur

Im Zugdepot ging es heiß her. Wie jedes Jahr stand die Verlosung der Routen an. Und die großen Lokomotiven rechneten sich die größten Chancen auf die Traumstrecke aus: Stuttgart-Wien. Jeder wollte an der Autobahn entlang sausen, den Gästen und sich den Blick auf die vielen schönen Autos schenken, die parallel zur Zuglinie entlang düsten. Dann die Schwäbische Alb hinauf, oben kurz den Ausblick genießen - und wieder hinab. Hinauf. Hinab. Die meisten Strecken waren verlost. Bis auf zwei: die heißbegehrte und die Strecke bis nach Heilbronn. Und es standen noch die junge Lok und die starke erfahrene fortschrittliche Lok bereit. Dann zog der Bahnhofsvorsteher den Zettel "Stuttgart-Wien" und Simon, die junge Lok. Alle tuschelten. "Wie kann das sein?" "Der junge Hüpfer?" "Wie unfair gegenüber dem starken Rusty." Doch das Schicksal hatte gesprochen und alle machten sich auf den Weg. Mit Vollgas legte Simon los, brauste die Alb hinauf und hinunter. Ohne Pause. Ohne Blick nach rechts und links. Wien. Endlich angekommen. Kurze Pause. Und wieder zurück. So kam die junge Lok jedes Mal total schlapp ins Depot. Am letzten Tag der Woche kam er wieder zurück, nachdem er den Aufstieg erst im 5. Anlauf geschafft hatte. Das hatte sich sofort rumgesprochen und alle tuschelten wieder: "Wir wussten doch, der schafft das nie. Wie kann man dem nur soeine Strecke geben?" Als das Gerede am lautesten war, dröhnte es aus dem dunkelsten Eck hervor. Es war Karl, die älteste Lok. Karl, der schon im Ruhestand war. "Simon! Hier her. Du musst nicht in Rekordzeit den Berg erklimmen. Oder als schnellster wieder hier sein. Du musst niemandem etwas beweisen. Dazu ist das Leben einer Lok zu kurz. Du hast die schönste Strecke. Weißt Du überhaupt, wie sie aussieht?" "Nein" schnupfte Simon.

Freitag, 19. August 2011

Hier bin ich sicher

Wer hier lebt, hat's gut: Neuhausen. Die Fildermetropole bietet Bundesliga-Handball, zwei Autobahn 8-Anschlüsse, den Flughafen in direkter Nähe, einen Edeka, der kürzlich für Generationenfreundliches Einkaufen ausgezeichnet wurde - und jede Menge Sicherheit. Erst gestern bin ich zum Bäcker meiner Kindheit gelaufen, um mal wieder von den süßen Früchten selbiger zu kosten. Zeitreise auf einem Schiff aus Zucker und Kalorien. Selten war ich besser unterwegs. Während ich so lief, kam mir ein Spargel im Spaghetti-Top entgegen. Muskelshirt kann ich nicht schreiben, weil er keine hatte. Im Arm ein junges Ding, das wohl mit ihm ging, weil es ihr Kreuzchen an der falschen Stelle gemacht hatte. Ich kann es ihr nicht verdenken. Bei dem heutigen Sprach- und Rechtschreib-Niveau, würde ich auch nicht mehr wissen, was man da ankreuzt: "Willsch mit mir gehen? Odr? Fick disch." In der anderen Hand hielt er eine Kette aus Metall, mit der sonst nur Männer aus einschlägigen Etablissements ihren animalischen Begleiter an die frische Luft führen. Aber Neuhausen ist eben auch hier Neuhausen - und statt einem PitBull oder Boxer oder Kampfhund-was weiß ich, war es eine Klobürste auf vier Beinen. Ich fand's super. Tanzenden Herzens ging ich weiter und gönnte mir beim Bäcker gleich ein zweiten Stück Kuchen. Neuhausen, meine Heimat. Ich liebe Dich. Oder wie man heute sagt: Neuhausen. Beschde, Altah.

Montag, 11. Juli 2011

Traumreise

Da war ich nun: In dieser riesengroßen Wohnung im Erdgeschoss, mit Blick auf einen riesigen gepflegten Garten. Die Frau mit den grauen Haaren und dem Pagenschnitt holte gerade ihren fetten Dackel mit dem schönen braunen Fell aus dem gefliesten Gang und setzte ihn auf einen grünen Ring aus Stoff. Daran band sie eine Schleife und schon war ihr Grabgesteck fertig. Dann präsentierte sie mir eine Rechnung für die Grabpflege über 400 € im Monat. Doch wer war überhaupt gestorben? Und warum so viel Geld für ein Gesteck, auf dem zu Testzwecken ein brauner Dackel saß? Sie ging kurz raus, damit ich mir das Ganze überlegen konnte. Ich nahm den Hund auf den Arm und lief durch die Wohnung. "Russische Übersetzungen. Bei Bedarf einige Monate vorher anrufen" stand auf einem Schild am Büro. Aha. Grabpflege und Übersetzungen. Eine interessante Mischung. Ich ging erstmal raus, um frische Luft zu schnappen - und sah die Alte an einem selbstgebastelten Drachen durch die Luft fliegen. Nur mit der Haltevorrichtung am Boden stimmte etwas nicht - und ich musste die Sache selbst in die Hand nehmen. Fast riss sie mich mit in die Luft, ich konnte sie zwar halten, das Ding aber nicht kontrollieren - und brachte sie zum Absturz. Sie hatte aber überlebt. Wäre auch zu blöd gewesen. Wer hätte dann ihr Grab dekoriert? Naja, ich beschloss meinen Onkel für eine Versicherung zu konsultieren. Nur: Er war leider nicht billiger. Ich sprach zuerst mit seiner Assistentin. Aber die hatte es einfach nicht drauf und verband mich mit ihrem Chef. Der Preis war saftig, ich musste vergleichen. Also ab in die Stadt. Aber in welche? Die hier hatte ich noch nie im Leben gesehen. Ich saß an einem Tisch in der Innenstadt, auf einem gepflasterten Platz. Meine Freundin war einkaufen und stellte ihre Tüten auf einen Fenstersims, um wieder in einem Geschäft zu verschwinden. Ich sagte ihr, sie solle sich beeilen, weil das Parkhaus so teuer sei. Wir bekamen Streit und sie ging noch mehr shoppen. Ich holte meine Karten aus der Tasche - Binokel, 52er-Blatt - und wir spielten ein Poker-Turnier. Ich verlor die erste Hand mit einem Herz-Flush gegen ein Full-House, das mir der Gegenüber nicht zeigte, obwohl ich bezahlte. Verrückte Welt. Ich stand auf, um meiner Freundin beim Tüten-schleppen zu helfen. Kurze Zeit später legte mir jemand eine Urkunde vor. Ich hatte das 2. Offizielle Esslinger Poker-Turnier gewonnen. Esslingen? Kann nicht sein. Egal. Ich stand in dem Laden mit der Urkunde und beobachtete Frauen, die durch eine ungünstige Spiegelung im 1. OG die Dame im UG beim Umziehen beobachteten. Ich sah auch kurz hin und war danach für eine Weile blind.

Dienstag, 31. Mai 2011

Sorry, grüner Lümmel

Ich habe Dir unrecht getan, spanische Gurke. Du bist nicht tödlich, man darf Dich auch ohne eine Sterilium-Sonderbehandlung essen. Deine Farbe war kurzzeitig verblasst, jetzt strahlst Du wieder in grünstem Gemüse-Grün. Und eine große Entschuldigung an Dich, liebe Sandra. Du hast unser beider Leben nicht gefährdet. Was der Grüne im Landtag macht, wird sich noch zeigen. Aber Südländische Gurken sind hiermit wieder zum Genuss freigegeben. Der Wirt lauert woanders. Wer nichts wird, wird Wirt.

Montag, 30. Mai 2011

Werbung in fast-eigener Sache

Der robzn hat viele Gesichter. Neben meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Social Media-Manager, meiner Kaufmännischen Ausbildung und meinen Erfahrungen in der Werbung, schreibe ich immer wieder Songtexte, die ein Freund von mir produziert. Wir sind sozusagen ein Produzentenduo. Klingt genial. Wenn es mal meine offizielle Jobbezeichnung wird, lasse ich es Euch wissen. Zurück zum Thema: Wir haben bereits ein Lied für die WM 2010 produziert, das auf youtube einen erachtlichen Erfolg von fast 230.000 Views zu verzeichnen hat. Aber seht und hört selbst. Dort der Link: Wir bleiben am Ball auf youtube, hier das Video:

Sonntag, 29. Mai 2011

Frei parken

Endlich wieder Freitag. Wir gingen natürlich ins Mari. Diesmal mit dem Fahrrad. Steve hatte das Wochenende zuvor in seinem Suff “irgendeine Alte” abgeschleppt, die nur ein paar Minuten zu Fuß von unserer Pilgerstätte wohnte. Steve hatte mit ihr ausgemacht, dass wir die Räder bei Ihr im Garten abstellen konnten. Also nichts wie los. Wir sammelten unsere Kumpels beim Supermarkt ein. Steve und ich holten uns, wie das Ritual es bestimmte, jeder eine Flasche Martini für den Weg. Aufsitzen! Und los.

Dort angekommen war von dieser ominösen Alten keine Spur. Wir standen aber zu zehnt und schon angetrunken vor unserem Parkplatz. Und abgemacht war trotzdem abgemacht. Jeder nahm sein Rad, lief durch das liebevoll gepflanzte Blumenbeet in den Garten, lehnte sein Fahrrad an die sauber geschnittene Hecke und schloss es ab, als eine weibliche Stimme irritiert von der Veranda rief: “Was macht ihr da?” Wir drehten uns um. Dort saßen die Eltern und schauten uns schon die ganze Zeit zu. Ich stammelte “naja die äh, em... Steve, wie heißt die Alte?” Steve zu ihren Eltern: “Ich hatte das mit Ihrer Tochter schon besprochen, das geht in Ordnung.” Schlaues Kerlchen, mein Steve. Und wenn er sagt, dass es in Ordnung geht, hatten auch die Eltern nichts dagegen. Anscheinend. Die Räder durften bleiben und wir gingen ins Mari. Die Lichter mussten bei jedem nach zwei Stunden aus sein, das war die Vorgabe von Steve und mir, woran sich auch jeder hielt. Bei mir waren die Lichter mehr als aus und im Mari waren sie kurz vor dem Angehen. Steve war mit seiner Bekanntschaft schon vor der Tür und ich stand orientierungslos und alleine, mitten auf der Tanzfläche, als ich plötzlich ein Mädchen im Arm hatte. Sie wollte mit mir tanzen. Leider. Denn meine Stärken liegen eher an der Theke, als in der Hüfte. Egal, im Suff geht alles. Dachte ich. Dem war aber nicht so. Sie musste wohl oder übel so dicht sein wie ich, um das nicht zu merken. Dann fiel es ihr aber nach einem Lied schon auf und wir setzten uns auf ein Podest am Rand der Tanzfläche, um auf der non-verbalen Ebene weiter zu kommunizieren. Mit geschlossenen Augen fuhr ich aber sofort Karussell. Ein Glück war gleich eine Wand in der Nähe, an der ich mich abstützen konnte. Natürlich ganz Gentlemen so, dass sie davon nichts merkte. Irgendwann zog mich Steve am Arm, schleifte mich aus der Kneipe und wir gingen. Die ganze Gruppe torkelte zu der Bekanntschaft von Steve. Jeder trampelte durch den Garten, nahm sein Rad und fuhr in Schlangenlinien los. Nur einer nicht: Hase war weg.

Er hatte sich im Suff ein Wochenende zuvor die Hand gebrochen und war mit Gips unterwegs. Wir riefen nach Hase, als er einfach so wieder vor uns stand. “Wo warst du”, fragten wir ihn. Er antwortete: “Soll ich es euch zeigen?” “Lass mal gut sein, wir wollen los.” Aber er wollte uns unbedingt demonstrieren, was er gerade erlebt hatte, schob sein Rad einige Meter zurück, nahm Anlauf und fuhr volles Programm in die schöne Hecke der Nachbarn. Leider stand das Mädchen noch da, bei dem wir die Räder geparkt hatten. Sie fiel fast ohnmächtig rückwärts in die eigene Hecke und wir konnten uns vor lachen kaum noch halten. Wie umgeschossene Kegel lagen wir auf der Straße und bekamen kaum noch Luft. Hase verlor den halben Gips, fand ihn auch nicht wieder und wir kamen kaum wieder auf die Beine. Dann eierten wir Heim, um die Räder vor der Stammkneipe zu parken. Warum sollte so ein grandioser Abend auch schon so früh enden?

Donnerstag, 26. Mai 2011

Wann hat ein starkes Team eine starke Marke?

Wenn die Stimmung in der Halle stimmt? Wenn viele Leute das Team kennen? Oder wenn die Fans von selbst interagieren und sich fantastische Dinge überlegen? Hier ist ein Beispiel, von dem ich besonders fasziniert war: Ein Junge bastelt einfach so ein Video. Von seinem Lieblingsteam. Respekt, Luci.

Was kommt nach EHEC ?

web.de titelt heute: EHEC-Keime auf spanischen Gurken. Menschen mit einer Vorliebe für Oralsex mit Südländern sollten das beste Stück vorher besser mit Sterilium behandeln, um absolut sicher zu gehen. Oder das Ding eine Weile auf über 100°C erhitzen, um den Erreger abzutöten. Zweiter positiver Effekt der Sache: Wenn der Mann das mit macht und hinterher noch steht, ist es die wahre Liebe. Also könnte nach der EHEC-Sache die Hochzeitsrate innerhalb der EU rasant steigen.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Wer wird 300?

Scheiß auf den Film. Hier geht's um das wahre Leben. Zwar im Social Media. Aber trotzdem. Ich weiß, in der Bibel wurden die Leute viel älter als 300. Aber darum geht's auch nicht. 300? Das könntest DU sein. Oder DU. Nämlich mein 300 Facebook-Freund. Was es dafür gibt? Non-materialistische Bereicherung. Mehr oder meist weniger sinnvole Posts. Immer wieder Neuigkeiten. Eine Einladung, Fan der MadDogs zu werden (damit hast Du die Chance auf eine Dauerkarte für Handball in der 3. Bundesliga) - und Chat-Unterhaltungen. Wenn DU willst.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Mari, meine erste große Liebe

Ich werde diese dunkle Höhle nie vergessen, die mir und meinen Freunden sooft eine günstige Heimat war. Wir sammelten uns draußen auf dem betonierten Platz, lange bevor das Mari öffnete, um die ersten am Tresen zu sein. Die drei Stufen hinauf zur Tür und in den Vorraum nahmen wir mit jugendlicher Leichtigkeit. Dann standen wir vor einem Tisch mit einer Registrierkasse, wo eine übergewichtige Mittvierzigerin die 7 Deutschen Mark abkassierte und jedem dafür einen Stempel auf die Hand drückte. Es roch dort nach Bier, Rauch und Schweiß, obwohl die Tür zum Hauptraum noch geschlossen war. Aber für uns war dieser Gestank mehr wert, als jeder andere Duft. Denn er verhieß vor allem eins: Absturzgefahr. Und wir wollten nichts lieber als das. Wir gingen durch die zweite Tür und standen auf einer Art Podest. Dunkel. Verraucht. Schäbig. Vielleicht zehn kleine runde Tische mit jeweils 4 Stühlen dran. Für die, die sitzen wollten - oder nichts anderes mehr konnten. Wir wollten aber nur eins: Bier. Wieder ein paar Stufen, und wir standen kurz vor der Tanzfläche, auf der niemand tanzte, solange das Freibier floss. Ein mit Metall ausgelegter runder Bereich mit einem Podest und einer Stange. Hase hatte so seinen Spaß mit dem Ding. Links war die 3 Meter lange Theke, an der man sein Bier anfangs noch in Pilsgläsern bekam. Irgendwann gingen den Pächtern wohl die Gläser aus - und ich bin mir sicher, noch heute hat jeder zweite Maritrinker sein Glas noch im Schrank. Im Akkord wurde das Bier ausgeschenkt. Zwei Stunden lang. Wir bekamen unser Bier und gingen über die Tanzfläche vier bis fünf Stufen hinauf, in einen durch ein Geländer etwas abgetrennten Bereich mit Blick über das ganze Lokal. Wir stellten uns an die paar Bartische und tranken, so schnell wir konnten, um schnell das nächste Bier zu holen. Nach einigen Pils fiel uns ein Nebenraum auf, er war ungefähr so groß wie die Empore, auf der wir waren und hatte gestapelte Stühle und ein paar Tische, die jemand in eine Ecke geräumt hatte. Wir standen dort einfach rum, redeten kaum etwas, beobachteten die Mädels und überlegten uns, welche wir später ansprechen, wenn der Pegel hoch genug war und die Schüchternheit irgendwo am Grund unserer Leber lag, begraben unter Fluten von Pils. Nur Hase hatte andere Pläne, obwohl er vielleicht das gleiche Ziel im Kopf hatte. Nach 2 Stunden gratis Bier torkelte er auf die Tanzfläche. "Jetzt passiert's, dachten wir: Hase gräbt eine an." Aber er ließ sie alle links stehen und liegen. "Was macht der da?", frage mich Steve. "Kein Plan. Der ist dicht." war meine Antwort. Aber das Mann so dicht sein kann, konnte ich mir bis dato nicht vorstellen. Er kroch auf das Podest, richtete sich auf und gab an der Stange sein bestes. Die Mädels schauten kurz zu ihm hoch und verließen irritiert den Ort des Geschehens. Weit weg. Ganz weit weg. Aber Hase gab alles. Wirbelte an der Stange herum, wie eine Schwäbische Hausfrau mit ihrem Besen an der Kehrwoche. Nur dem Wirt gefiel es überhaupt nicht, dass hier jemand seine sowieso schon überwiegend männliche Kundschaft noch mehr in Überzahl brachte, stieg auf das Podest und holte Hase vom Tatort, damit wenigstens noch ein paar Mädels im Mari blieben. Wir jubelten und johlten. Hase war komplett raus und wir gingen heim. Das Mari, meine erste große Liebe. Und die einzige, die ich mit meinen Freunden geteilt habe. Gerne.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Die Schildkröten-Suppe ist ausgelöffelt


Eine Ära geht zu Ende: Gestern habe ich ein Dokument unterschrieben, womit ich wieder alle Rechte an meinem Buch bekomme. Die Vertragslaufzeit war zuende. Ich hatte zwar die Option, den Vertrag um weitere 2 Jahre zu verlängern. Aber die Schildkröten-Suppe braucht noch etwas Würze und muss final besser abgeschmeckt werden. Dazu habe ich jetzt die Möglichkeit. Der Verlag hat noch ca. 20 Exemplare auf Lager. Wer noch keins hat - und unbedingt eins will - kann sich hier eins bestellen: http://www.amazon.de/Schildkr%C3%B6ten-Suppe-Robzn-Delard/dp/3902528621/ref=si_aps_sup?ie=UTF8&qid=1305101964&sr=8-1 Eine Widmung gibt's natürlich gratis.

Vielleicht mache ich auch zuerst mein zweites Buch fertig. Hier im Blog wurden ja schon Stimmen laut, dass sie mehr davon lesen wollen. Momentan macht mir die Arbeit an "Hasenfuß" auch mehr Spaß als eine Buchüberarbeitung. Wir werden sehen. Auf die Schildkröten-Suppe.

Donnerstag, 21. April 2011

Die brechen pausenlos

Seit heute Nacht treibt der Wind das Meer stetig nach vorne. Bis zu vier Meter hoch türmt sich das Wasser und bricht unter lautem Grollen zusammen. Wie ein Mensch, der selbst von einer externen Kraft ständig und pausenlos angetrieben wird. Es tut gut, das zu sehen. So wird einem selbst einiges klar. Visualisierung per excellence. Diese unbändige Kraft der Wellen. Alles beginnt so unscheinbar: etwas Wind. Ständig. Und ganz viel Wasser. Und irgendwann wird alles von selbst größer und stärker. Was für ein Getöse da draußen. Die A 8 vor der Haustüre ist eine Spielstraße dagegen. Die Leute sollten mehr über die Umwelt schreiben. Oder zumindest darüber nachdenken. Ihnen würde bei einigen Fragezeichen ein Licht aufgehen. Das ist so abgefahren. Wie es wohl hinter dem Horizont abgeht? Wenn ich die drei Babys aus Wasser hier vor mir sehe, kann ich erahnen, was die drei Schwestern mit einem Containerschiff anstellen. Die kleinen Menschen bauen zusammen ein bewunderswert großes Schiff. Und die Natur? Diesmal in Form von Wellen? Interessiert sich nicht die Bohne dafür. Rollt einfach ihren Weg. Wie manche Dauernd-Hungrige auf der Königstraße. Klar. Was sollen die Wellen auch machen? Eine 15 Meter-Welle denkt sich ja nicht: "Huch. Ein Containerschiff. Mitten auf meinem Weg. Wie kommt das denn dahin? Ach, ich tauch' kurz unten durch. Damit nichts passiert." Die Welle denkt einen Scheiß. Nada. Kawumm. Schluck mich oder ich schluck Dich.

Scheiße, jetzt habe ich einen Sonnenbrand. Vor lauter schreiben. Zum Glück hat so ein Hemd lange Ärmel, die man nach dem Hochschlagen wieder runterkrempeln kann. Die Natur hat mich zu einem roten Krebs gemacht, während ich über sie geschrieben habe. Sie scheint das wohl nicht zu mögen. Und die Wellen: brechen und brechen und brechen. Wie ein Teenager nach seinem ersten Festzelt-Exzess. Ab an die Poolbar. Da ist auch Schatten.

Montag, 28. März 2011

Liebe kann man nicht handeln

Gordon Gekko ist zurück. Ohne Zweifel. Doch leider steht er im Schatten der Liebe. Etwas fürs Herz ist immer gut. Aber die Wall Street ist genau das Gegenteil. Nur leider ist der Film nichts von beidem. Weichgespült durch eine Nebenhandlung. Immer, wenn man von der Farbe des Geldes angefixt ist - und mehr will - kommt der Cut. "Amore" höre ich Oliver Stone schreien. Dieses Phänomen war schon bei Inception zu sehen: Kein Mut zur Reduktion auf die großartige Idee. Um möglichst Männlein, Weiblein, Flora und Fauna ins Kino zu locken. Es ist wie in der Kommunikation: Am Ende fehlt den Entscheidern der entscheidende Mut. Das Ergebnis: Werbung wie von 1&1, Ferrero Raffaelo und all den anderen Größen der miesen Filmunterbrechung. Aber ein Film sollte nie ein Überraschungsei sein: Spiel oder Schokolade. Die Spannung kommt dann von selbst.

Statt Spannung beschäftigten mich nach dem Abspann ein paar Fragen: Würde der größte Hai an der Wall Street den zukünftigen Schwiegersohn seines schärfsten Widersachers einstellen? Und welche Idealistin würde 100 Millionen US-$ spenden, und einen Non-Profit-Blog betreiben, während ihr Lebensgefährte jeden Moment abstürzen könnte wie der US-Immobilienmarkt? Geld schläft nicht. Meine Freundin macht es schon nach der Hälfte des Films. Und als sie einen Tag später die andere Hälfte des Films anschaut, verschwinde ich in der Küche.

Hasenfuß: Ich glaub', ich steh’ im Wald

Steve war schon ein Aktivist in der Fußballszene und Hase ließ sich davon anstecken. Ich verstand das nie: Bei jeder Temperatur im Stadion zu stehen, Lieder zu singen und im Vorfeld das Wochenende damit zu verbringen, Zaunfahnen zu malen und Choreos zu planen. Aber die Partys waren immer einen Besuch wert. Diesmal gingen Hase und ich noch ordentlich einen trinken. Damals war Vorglühen in einer Kneipe auch für Schüler noch bezahlbar. In einer Hausbrauerei bestellten wir uns ein Hefe-Weizen im Pitcher: 2,5 Liter. Für jeden von uns. Danach waren wir beide in der richtigen Stimmung. Hase und ich stiegen in die Bahn und fuhren zur Haltestelle, wo man uns schon erwartete. Steve war nicht da, er hatte aber ein Empfangskomitee geschickt. Und das zeigte uns gleich, wie man die Dinge hier so regelt: Schon als wir aus der Bahn stiegen, gab es die erste Schlägerei mit ein paar fremden Jungs. Einer gegen Drei. Hase sagte mir den Namen des Boxers und freute sich über die tolle Begrüßung. Wir gingen weiter. Am Waldrand angekommen, lagen dann schon die ersten Flaschen rum - und daneben die dazugehörigen Jungs und Mädels. Dazwischen steckten ein paar selbstgemalte Fahnen und der standhafte Rest sang Lieder, die ich nicht kannte - mit Texten, die ich nicht verstand. Zum Glück sprach das Bier in meiner Hand eine deutliche Sprache. Doch bevor ich zum ersten Schluck ansetzen konnte, rannte die Hälfte der Leute quer in den Wald. Hase stand neben mir, stieß mir in die Seite und ich drehte mich um.

Vier helle Lichter blendeten mich und es stiegen mehrere Leute in grünen Uniformen aus den Autos. Lautes Gebrüll, ein paar unsanfte Stöße - und schon stand ich an einer Wand. Die Hände voraus. Jemand schrie mich mit der Lautstärke eines Metal-Konzerts an, was ich hier machen würde? und Hase wurde unsanft mit dem Gesicht gegen die Wand geschubst. Ob wir wüssten, wo wir hier wären? "Irgendwo im Wald", sagte ich. “Das hier ist ein Kindergarten, ihr Chaoten! Die Ausweise. Aber zackig. Wo arbeitet ihr? Name, Betrieb und eure Telefonnummern, sofort!” Ich gab ihnen, was sie wollten, entschuldigte mich bei den Beamten und wurde zum Aufräumen abkommandiert.

Nach ein paar anderen Leuten war Hase dran. Er zeigte weniger Bereitschaft zur Kooperation: “Was geht es Sie an, wo ich arbeite?“ Der Beamte schaute ihn an, nahm den Ausweis und ging ans Funkgerät. Nach ein paar “Bitte kommen“, “Danke und Ende“ kam er dann schon wieder zu Hase: “Sie hatten doch erst neulich eine Auseinandersetzung?” Michele tat überrascht und meinte, der Vorfall wäre längst erledigt. Den Beamten interessierte das wenig. Entweder, Michele würde jetzt kooperieren - oder man könne eine falsche Bewegung von ihm als versuchten Angriff deuten und er würde ganz schnell auf der Wache oder im Krankenhaus wieder aufwachen. Der Herr Wachtmeister hatte sein Ziel erreicht: Hase war eingeschüchtert, beantwortete freundlich alle Fragen, nahm seinen Ausweis und half mir beim Aufräumen des Spielplatzes. Die Beamten riefen dann noch bei einer Mutter eines Kumpels an, die uns abholen musste. Und ich mache seitdem um jeden Waldkindergarten einen großen Bogen.

Samstag, 19. März 2011

Weniger menschliche Ballaststoffe

Immer diese Social Networks. Wer nur minimal am gesellschaftlichen Leben teilgenommen hat - also lediglich im Kindergarten war - kommt dank Facebook schon alleine auf 200 Freunde. Nicht jede Fratze davon möchte man auf seiner Pinnwand wiederfinden, hat aber irgendwann abends im Vollsuff den Freundschaftsantrag euphorisch angenommen. Da hilft nur eins: der digitale Ballastabwurf. Zwar kommt kurz das schlechte Gewissen. Charlie Harper würde es in einem Glas teuren Scotch ertränken. Doch auch ohne Alkohol schleicht sich kurz danach die Erleichterung in die Seele, und wächst dort wie ein Saatkorn zu etwas Großem heran. Also vergesst die Zahl eurer Facebook-Friends. Mit 9 von 10 könntet ihr sowieso keinen Krieg gewinnen. Da geh ich lieber mit meiner Mannschaft in die Bauze und teile mir mit dem Marci die Runde; wegen 17 uff der Batsch. Und wenn ich danach noch kurz einen FA von jemandem annehme, der mir damals auf meinem Weg in den Kindergarten zufällig auf der anderen Straßenseite entgegen kam, lösche ich den irgendwann ruhigen Gewissens wieder.

Montag, 14. März 2011

Döar Rönnie öasm Goall-Sänder

Der Junge macht das gut, denn er macht mir gleich zu Beginn meines Anliegens am Telefon klar: "Höar Schmitt, isch wes ja nisch, in welsche Rischdung onser Gespräsch verläufd, abbr sie ham ein Rückdriddsreschd von 14 Tagen ab dem Elfdn Driddn."

Lieber Rönnie,

wenn Du als KUNDENBETREUER Deinem KUNDEN gleich zu Beginn die Rücktrittsfrist nennst: IN WELCHE RISCHDUNG SOLL ES DANN NOCH GEHEN?

Nachdem ich ihm dann gesagt habe, dass seine zwei Kolleginnen und Kollegen im Call-Center Mist erzählt haben - und ich das dummerweise geglaubt habe - kam es nur deßwegen zum Vertragsabschluss . Und entweder er kommt mir entgegen, oder das ganze Haus bekommt statt Entertain einfach digitales Sat.

Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein ruhiger Typ. Zumindest nüchtern. Und das war ich am Telefon. Aber Rönnie wohl nischd. Denn er schmiss mich mitten im Satz einfach in die Warteliste.

Liebe Telekom,

wie ich gerade auf Eurem Kundenschreiben sehe, habt ihr 9 Vorstände. Wenigstens heißt keiner davon Rönnie, sonst hätt's mich jetzt vom Stuhl geschmissen. Ihr scheint aber immer noch eine parteiähnliche Organisation zu sein, was an dem Sitz in Bonn liegen könnte. Wenn ich also das nächste mal im Stellenteil der Süddeutschen Zeitung lese: "Wir gratulieren Rönnie zur Beförderung ins Außenministerium", dann weiß ich, wer gemeint ist. Hoffentlich habt ihr ihm zuvor gesagt, dass ihr innerhalb von 14 Tagen davon zurücktreten könnt. Sonst haut's mich ein zweites Mal fast vom Stuhl.

Mit kundenfreundlichem Gruß

Dienstag, 1. März 2011

5. Kapitel: Dafür muss der Junkie bluten. Und mein Geldbeutel auch.

Von wegen Viva Colonia. Wir hatten in einem Stuttgartert Festzelt ordentlich in die Krüge geschaut. Steve, Mike und ich leerten an dem Abend sicher jeder unsere vier Maß und torkelten dann Richtung Busbahnhof. Wie alle, die etwas auf sich hielten, stiegen wir hinten ein und nahmen in der vorletzten Reihe Platz. Und genau das wurde mir zum Verhängnis: Von hinten traf mich ein Schlag ohne Vorwarnung ins Gesicht. Naja, Schlag konnte ich es eigentlich nicht nennen - und vermutete daher ein Mädchen, dass vielleicht sauer war, weil ich irgendwann nicht zurück gerufen hatte. Ich drehte mich um, blickte in das vernarbte Gesicht eines Junkies und revanchierte mich mit einer kurzen Geraden. Unentschieden. Und jetzt lass mich schlafen, bis wir an der Tankstelle sind. Doch das kaputte Männchen dachte nicht daran, lief durch den Bus und versuchte Freunde, die es nicht hatte, für eine Schlägerei zu gewinnen, die keiner wollte. Er kam wieder, drohte mir und nahm Platz. Mike hielt mich währenddessen zurück, weil der Busfahrer die gerufene Polizei in den Bus ließ. Hase überzeugte sie mit seiner Unschuldsmiene, die Sache wäre vorbei - und der Bus setzte sich wieder in Bewegung. Zuhause angekommen, stiegen wir an der Blauen Lagune aus, um uns im 24 Stunden-Shop noch ein Sixpack für den Heimweg zu genehmigen. Der Junkie nahm die andere Richtung. Während meine Leber die nächste Schichtarbeit herbei sehnte, blies das menschliche Wrack hinter meinem Rücken zum Angriff: Hase warnte mich noch, ich drehte mich um, sah etwas in der Hand des Angreifer aufblitzen, holte aus und traf ins Schwarze. Der Typ setzte sich auf den Asphalt, bekam von mir noch zwei mit auf den Heimweg und Hase nahm mich mit zur Tanke, während der Suchti sich aufrichtete und heulend heim torkelte.

Aber was brauchen solche Typen ständig: Kohle. Und wie bekommen sie die? Durch Anzeigen, nachdem sie mit dem Stress angefangen haben. Also lief er am nächsten Tag zu unseren Freunden in Grün und log das Blaue vom Himmel. Zum Glück standen meine Eltern, Freunde und die Realität hinter mir. Die Falschaussage von Junkieboy flog auf. Nur leider blieb ich auf den Anwaltskosten sitzen. Mein komplettes Weihnachtsgeld ging drauf. Eine Lektion fürs Leben. Aber nicht nur für mich. Das menschliche Wrack hat mich seitdem nie wieder angesprochen.