Gordon Gekko ist zurück. Ohne Zweifel. Doch leider steht er im Schatten der Liebe. Etwas fürs Herz ist immer gut. Aber die Wall Street ist genau das Gegenteil. Nur leider ist der Film nichts von beidem. Weichgespült durch eine Nebenhandlung. Immer, wenn man von der Farbe des Geldes angefixt ist - und mehr will - kommt der Cut. "Amore" höre ich Oliver Stone schreien. Dieses Phänomen war schon bei Inception zu sehen: Kein Mut zur Reduktion auf die großartige Idee. Um möglichst Männlein, Weiblein, Flora und Fauna ins Kino zu locken. Es ist wie in der Kommunikation: Am Ende fehlt den Entscheidern der entscheidende Mut. Das Ergebnis: Werbung wie von 1&1, Ferrero Raffaelo und all den anderen Größen der miesen Filmunterbrechung. Aber ein Film sollte nie ein Überraschungsei sein: Spiel oder Schokolade. Die Spannung kommt dann von selbst.
Statt Spannung beschäftigten mich nach dem Abspann ein paar Fragen: Würde der größte Hai an der Wall Street den zukünftigen Schwiegersohn seines schärfsten Widersachers einstellen? Und welche Idealistin würde 100 Millionen US-$ spenden, und einen Non-Profit-Blog betreiben, während ihr Lebensgefährte jeden Moment abstürzen könnte wie der US-Immobilienmarkt? Geld schläft nicht. Meine Freundin macht es schon nach der Hälfte des Films. Und als sie einen Tag später die andere Hälfte des Films anschaut, verschwinde ich in der Küche.
Montag, 28. März 2011
Hasenfuß: Ich glaub', ich steh’ im Wald
Steve war schon ein Aktivist in der Fußballszene und Hase ließ sich davon anstecken. Ich verstand das nie: Bei jeder Temperatur im Stadion zu stehen, Lieder zu singen und im Vorfeld das Wochenende damit zu verbringen, Zaunfahnen zu malen und Choreos zu planen. Aber die Partys waren immer einen Besuch wert. Diesmal gingen Hase und ich noch ordentlich einen trinken. Damals war Vorglühen in einer Kneipe auch für Schüler noch bezahlbar. In einer Hausbrauerei bestellten wir uns ein Hefe-Weizen im Pitcher: 2,5 Liter. Für jeden von uns. Danach waren wir beide in der richtigen Stimmung. Hase und ich stiegen in die Bahn und fuhren zur Haltestelle, wo man uns schon erwartete. Steve war nicht da, er hatte aber ein Empfangskomitee geschickt. Und das zeigte uns gleich, wie man die Dinge hier so regelt: Schon als wir aus der Bahn stiegen, gab es die erste Schlägerei mit ein paar fremden Jungs. Einer gegen Drei. Hase sagte mir den Namen des Boxers und freute sich über die tolle Begrüßung. Wir gingen weiter. Am Waldrand angekommen, lagen dann schon die ersten Flaschen rum - und daneben die dazugehörigen Jungs und Mädels. Dazwischen steckten ein paar selbstgemalte Fahnen und der standhafte Rest sang Lieder, die ich nicht kannte - mit Texten, die ich nicht verstand. Zum Glück sprach das Bier in meiner Hand eine deutliche Sprache. Doch bevor ich zum ersten Schluck ansetzen konnte, rannte die Hälfte der Leute quer in den Wald. Hase stand neben mir, stieß mir in die Seite und ich drehte mich um.
Vier helle Lichter blendeten mich und es stiegen mehrere Leute in grünen Uniformen aus den Autos. Lautes Gebrüll, ein paar unsanfte Stöße - und schon stand ich an einer Wand. Die Hände voraus. Jemand schrie mich mit der Lautstärke eines Metal-Konzerts an, was ich hier machen würde? und Hase wurde unsanft mit dem Gesicht gegen die Wand geschubst. Ob wir wüssten, wo wir hier wären? "Irgendwo im Wald", sagte ich. “Das hier ist ein Kindergarten, ihr Chaoten! Die Ausweise. Aber zackig. Wo arbeitet ihr? Name, Betrieb und eure Telefonnummern, sofort!” Ich gab ihnen, was sie wollten, entschuldigte mich bei den Beamten und wurde zum Aufräumen abkommandiert.
Nach ein paar anderen Leuten war Hase dran. Er zeigte weniger Bereitschaft zur Kooperation: “Was geht es Sie an, wo ich arbeite?“ Der Beamte schaute ihn an, nahm den Ausweis und ging ans Funkgerät. Nach ein paar “Bitte kommen“, “Danke und Ende“ kam er dann schon wieder zu Hase: “Sie hatten doch erst neulich eine Auseinandersetzung?” Michele tat überrascht und meinte, der Vorfall wäre längst erledigt. Den Beamten interessierte das wenig. Entweder, Michele würde jetzt kooperieren - oder man könne eine falsche Bewegung von ihm als versuchten Angriff deuten und er würde ganz schnell auf der Wache oder im Krankenhaus wieder aufwachen. Der Herr Wachtmeister hatte sein Ziel erreicht: Hase war eingeschüchtert, beantwortete freundlich alle Fragen, nahm seinen Ausweis und half mir beim Aufräumen des Spielplatzes. Die Beamten riefen dann noch bei einer Mutter eines Kumpels an, die uns abholen musste. Und ich mache seitdem um jeden Waldkindergarten einen großen Bogen.
Vier helle Lichter blendeten mich und es stiegen mehrere Leute in grünen Uniformen aus den Autos. Lautes Gebrüll, ein paar unsanfte Stöße - und schon stand ich an einer Wand. Die Hände voraus. Jemand schrie mich mit der Lautstärke eines Metal-Konzerts an, was ich hier machen würde? und Hase wurde unsanft mit dem Gesicht gegen die Wand geschubst. Ob wir wüssten, wo wir hier wären? "Irgendwo im Wald", sagte ich. “Das hier ist ein Kindergarten, ihr Chaoten! Die Ausweise. Aber zackig. Wo arbeitet ihr? Name, Betrieb und eure Telefonnummern, sofort!” Ich gab ihnen, was sie wollten, entschuldigte mich bei den Beamten und wurde zum Aufräumen abkommandiert.
Nach ein paar anderen Leuten war Hase dran. Er zeigte weniger Bereitschaft zur Kooperation: “Was geht es Sie an, wo ich arbeite?“ Der Beamte schaute ihn an, nahm den Ausweis und ging ans Funkgerät. Nach ein paar “Bitte kommen“, “Danke und Ende“ kam er dann schon wieder zu Hase: “Sie hatten doch erst neulich eine Auseinandersetzung?” Michele tat überrascht und meinte, der Vorfall wäre längst erledigt. Den Beamten interessierte das wenig. Entweder, Michele würde jetzt kooperieren - oder man könne eine falsche Bewegung von ihm als versuchten Angriff deuten und er würde ganz schnell auf der Wache oder im Krankenhaus wieder aufwachen. Der Herr Wachtmeister hatte sein Ziel erreicht: Hase war eingeschüchtert, beantwortete freundlich alle Fragen, nahm seinen Ausweis und half mir beim Aufräumen des Spielplatzes. Die Beamten riefen dann noch bei einer Mutter eines Kumpels an, die uns abholen musste. Und ich mache seitdem um jeden Waldkindergarten einen großen Bogen.
Samstag, 19. März 2011
Weniger menschliche Ballaststoffe
Immer diese Social Networks. Wer nur minimal am gesellschaftlichen Leben teilgenommen hat - also lediglich im Kindergarten war - kommt dank Facebook schon alleine auf 200 Freunde. Nicht jede Fratze davon möchte man auf seiner Pinnwand wiederfinden, hat aber irgendwann abends im Vollsuff den Freundschaftsantrag euphorisch angenommen. Da hilft nur eins: der digitale Ballastabwurf. Zwar kommt kurz das schlechte Gewissen. Charlie Harper würde es in einem Glas teuren Scotch ertränken. Doch auch ohne Alkohol schleicht sich kurz danach die Erleichterung in die Seele, und wächst dort wie ein Saatkorn zu etwas Großem heran. Also vergesst die Zahl eurer Facebook-Friends. Mit 9 von 10 könntet ihr sowieso keinen Krieg gewinnen. Da geh ich lieber mit meiner Mannschaft in die Bauze und teile mir mit dem Marci die Runde; wegen 17 uff der Batsch. Und wenn ich danach noch kurz einen FA von jemandem annehme, der mir damals auf meinem Weg in den Kindergarten zufällig auf der anderen Straßenseite entgegen kam, lösche ich den irgendwann ruhigen Gewissens wieder.
Montag, 14. März 2011
Döar Rönnie öasm Goall-Sänder
Der Junge macht das gut, denn er macht mir gleich zu Beginn meines Anliegens am Telefon klar: "Höar Schmitt, isch wes ja nisch, in welsche Rischdung onser Gespräsch verläufd, abbr sie ham ein Rückdriddsreschd von 14 Tagen ab dem Elfdn Driddn."
Lieber Rönnie,
wenn Du als KUNDENBETREUER Deinem KUNDEN gleich zu Beginn die Rücktrittsfrist nennst: IN WELCHE RISCHDUNG SOLL ES DANN NOCH GEHEN?
Nachdem ich ihm dann gesagt habe, dass seine zwei Kolleginnen und Kollegen im Call-Center Mist erzählt haben - und ich das dummerweise geglaubt habe - kam es nur deßwegen zum Vertragsabschluss . Und entweder er kommt mir entgegen, oder das ganze Haus bekommt statt Entertain einfach digitales Sat.
Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein ruhiger Typ. Zumindest nüchtern. Und das war ich am Telefon. Aber Rönnie wohl nischd. Denn er schmiss mich mitten im Satz einfach in die Warteliste.
Liebe Telekom,
wie ich gerade auf Eurem Kundenschreiben sehe, habt ihr 9 Vorstände. Wenigstens heißt keiner davon Rönnie, sonst hätt's mich jetzt vom Stuhl geschmissen. Ihr scheint aber immer noch eine parteiähnliche Organisation zu sein, was an dem Sitz in Bonn liegen könnte. Wenn ich also das nächste mal im Stellenteil der Süddeutschen Zeitung lese: "Wir gratulieren Rönnie zur Beförderung ins Außenministerium", dann weiß ich, wer gemeint ist. Hoffentlich habt ihr ihm zuvor gesagt, dass ihr innerhalb von 14 Tagen davon zurücktreten könnt. Sonst haut's mich ein zweites Mal fast vom Stuhl.
Mit kundenfreundlichem Gruß
Lieber Rönnie,
wenn Du als KUNDENBETREUER Deinem KUNDEN gleich zu Beginn die Rücktrittsfrist nennst: IN WELCHE RISCHDUNG SOLL ES DANN NOCH GEHEN?
Nachdem ich ihm dann gesagt habe, dass seine zwei Kolleginnen und Kollegen im Call-Center Mist erzählt haben - und ich das dummerweise geglaubt habe - kam es nur deßwegen zum Vertragsabschluss . Und entweder er kommt mir entgegen, oder das ganze Haus bekommt statt Entertain einfach digitales Sat.
Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein ruhiger Typ. Zumindest nüchtern. Und das war ich am Telefon. Aber Rönnie wohl nischd. Denn er schmiss mich mitten im Satz einfach in die Warteliste.
Liebe Telekom,
wie ich gerade auf Eurem Kundenschreiben sehe, habt ihr 9 Vorstände. Wenigstens heißt keiner davon Rönnie, sonst hätt's mich jetzt vom Stuhl geschmissen. Ihr scheint aber immer noch eine parteiähnliche Organisation zu sein, was an dem Sitz in Bonn liegen könnte. Wenn ich also das nächste mal im Stellenteil der Süddeutschen Zeitung lese: "Wir gratulieren Rönnie zur Beförderung ins Außenministerium", dann weiß ich, wer gemeint ist. Hoffentlich habt ihr ihm zuvor gesagt, dass ihr innerhalb von 14 Tagen davon zurücktreten könnt. Sonst haut's mich ein zweites Mal fast vom Stuhl.
Mit kundenfreundlichem Gruß
Dienstag, 1. März 2011
5. Kapitel: Dafür muss der Junkie bluten. Und mein Geldbeutel auch.
Von wegen Viva Colonia. Wir hatten in einem Stuttgartert Festzelt ordentlich in die Krüge geschaut. Steve, Mike und ich leerten an dem Abend sicher jeder unsere vier Maß und torkelten dann Richtung Busbahnhof. Wie alle, die etwas auf sich hielten, stiegen wir hinten ein und nahmen in der vorletzten Reihe Platz. Und genau das wurde mir zum Verhängnis: Von hinten traf mich ein Schlag ohne Vorwarnung ins Gesicht. Naja, Schlag konnte ich es eigentlich nicht nennen - und vermutete daher ein Mädchen, dass vielleicht sauer war, weil ich irgendwann nicht zurück gerufen hatte. Ich drehte mich um, blickte in das vernarbte Gesicht eines Junkies und revanchierte mich mit einer kurzen Geraden. Unentschieden. Und jetzt lass mich schlafen, bis wir an der Tankstelle sind. Doch das kaputte Männchen dachte nicht daran, lief durch den Bus und versuchte Freunde, die es nicht hatte, für eine Schlägerei zu gewinnen, die keiner wollte. Er kam wieder, drohte mir und nahm Platz. Mike hielt mich währenddessen zurück, weil der Busfahrer die gerufene Polizei in den Bus ließ. Hase überzeugte sie mit seiner Unschuldsmiene, die Sache wäre vorbei - und der Bus setzte sich wieder in Bewegung. Zuhause angekommen, stiegen wir an der Blauen Lagune aus, um uns im 24 Stunden-Shop noch ein Sixpack für den Heimweg zu genehmigen. Der Junkie nahm die andere Richtung. Während meine Leber die nächste Schichtarbeit herbei sehnte, blies das menschliche Wrack hinter meinem Rücken zum Angriff: Hase warnte mich noch, ich drehte mich um, sah etwas in der Hand des Angreifer aufblitzen, holte aus und traf ins Schwarze. Der Typ setzte sich auf den Asphalt, bekam von mir noch zwei mit auf den Heimweg und Hase nahm mich mit zur Tanke, während der Suchti sich aufrichtete und heulend heim torkelte.
Aber was brauchen solche Typen ständig: Kohle. Und wie bekommen sie die? Durch Anzeigen, nachdem sie mit dem Stress angefangen haben. Also lief er am nächsten Tag zu unseren Freunden in Grün und log das Blaue vom Himmel. Zum Glück standen meine Eltern, Freunde und die Realität hinter mir. Die Falschaussage von Junkieboy flog auf. Nur leider blieb ich auf den Anwaltskosten sitzen. Mein komplettes Weihnachtsgeld ging drauf. Eine Lektion fürs Leben. Aber nicht nur für mich. Das menschliche Wrack hat mich seitdem nie wieder angesprochen.
Aber was brauchen solche Typen ständig: Kohle. Und wie bekommen sie die? Durch Anzeigen, nachdem sie mit dem Stress angefangen haben. Also lief er am nächsten Tag zu unseren Freunden in Grün und log das Blaue vom Himmel. Zum Glück standen meine Eltern, Freunde und die Realität hinter mir. Die Falschaussage von Junkieboy flog auf. Nur leider blieb ich auf den Anwaltskosten sitzen. Mein komplettes Weihnachtsgeld ging drauf. Eine Lektion fürs Leben. Aber nicht nur für mich. Das menschliche Wrack hat mich seitdem nie wieder angesprochen.
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