Steve war schon ein Aktivist in der Fußballszene und Hase ließ sich davon anstecken. Ich verstand das nie: Bei jeder Temperatur im Stadion zu stehen, Lieder zu singen und im Vorfeld das Wochenende damit zu verbringen, Zaunfahnen zu malen und Choreos zu planen. Aber die Partys waren immer einen Besuch wert. Diesmal gingen Hase und ich noch ordentlich einen trinken. Damals war Vorglühen in einer Kneipe auch für Schüler noch bezahlbar. In einer Hausbrauerei bestellten wir uns ein Hefe-Weizen im Pitcher: 2,5 Liter. Für jeden von uns. Danach waren wir beide in der richtigen Stimmung. Hase und ich stiegen in die Bahn und fuhren zur Haltestelle, wo man uns schon erwartete. Steve war nicht da, er hatte aber ein Empfangskomitee geschickt. Und das zeigte uns gleich, wie man die Dinge hier so regelt: Schon als wir aus der Bahn stiegen, gab es die erste Schlägerei mit ein paar fremden Jungs. Einer gegen Drei. Hase sagte mir den Namen des Boxers und freute sich über die tolle Begrüßung. Wir gingen weiter. Am Waldrand angekommen, lagen dann schon die ersten Flaschen rum - und daneben die dazugehörigen Jungs und Mädels. Dazwischen steckten ein paar selbstgemalte Fahnen und der standhafte Rest sang Lieder, die ich nicht kannte - mit Texten, die ich nicht verstand. Zum Glück sprach das Bier in meiner Hand eine deutliche Sprache. Doch bevor ich zum ersten Schluck ansetzen konnte, rannte die Hälfte der Leute quer in den Wald. Hase stand neben mir, stieß mir in die Seite und ich drehte mich um.
Vier helle Lichter blendeten mich und es stiegen mehrere Leute in grünen Uniformen aus den Autos. Lautes Gebrüll, ein paar unsanfte Stöße - und schon stand ich an einer Wand. Die Hände voraus. Jemand schrie mich mit der Lautstärke eines Metal-Konzerts an, was ich hier machen würde? und Hase wurde unsanft mit dem Gesicht gegen die Wand geschubst. Ob wir wüssten, wo wir hier wären? "Irgendwo im Wald", sagte ich. “Das hier ist ein Kindergarten, ihr Chaoten! Die Ausweise. Aber zackig. Wo arbeitet ihr? Name, Betrieb und eure Telefonnummern, sofort!” Ich gab ihnen, was sie wollten, entschuldigte mich bei den Beamten und wurde zum Aufräumen abkommandiert.
Nach ein paar anderen Leuten war Hase dran. Er zeigte weniger Bereitschaft zur Kooperation: “Was geht es Sie an, wo ich arbeite?“ Der Beamte schaute ihn an, nahm den Ausweis und ging ans Funkgerät. Nach ein paar “Bitte kommen“, “Danke und Ende“ kam er dann schon wieder zu Hase: “Sie hatten doch erst neulich eine Auseinandersetzung?” Michele tat überrascht und meinte, der Vorfall wäre längst erledigt. Den Beamten interessierte das wenig. Entweder, Michele würde jetzt kooperieren - oder man könne eine falsche Bewegung von ihm als versuchten Angriff deuten und er würde ganz schnell auf der Wache oder im Krankenhaus wieder aufwachen. Der Herr Wachtmeister hatte sein Ziel erreicht: Hase war eingeschüchtert, beantwortete freundlich alle Fragen, nahm seinen Ausweis und half mir beim Aufräumen des Spielplatzes. Die Beamten riefen dann noch bei einer Mutter eines Kumpels an, die uns abholen musste. Und ich mache seitdem um jeden Waldkindergarten einen großen Bogen.
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..und wie geht es weiter? :)
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