Von wegen Viva Colonia. Wir hatten in einem Stuttgartert Festzelt ordentlich in die Krüge geschaut. Steve, Mike und ich leerten an dem Abend sicher jeder unsere vier Maß und torkelten dann Richtung Busbahnhof. Wie alle, die etwas auf sich hielten, stiegen wir hinten ein und nahmen in der vorletzten Reihe Platz. Und genau das wurde mir zum Verhängnis: Von hinten traf mich ein Schlag ohne Vorwarnung ins Gesicht. Naja, Schlag konnte ich es eigentlich nicht nennen - und vermutete daher ein Mädchen, dass vielleicht sauer war, weil ich irgendwann nicht zurück gerufen hatte. Ich drehte mich um, blickte in das vernarbte Gesicht eines Junkies und revanchierte mich mit einer kurzen Geraden. Unentschieden. Und jetzt lass mich schlafen, bis wir an der Tankstelle sind. Doch das kaputte Männchen dachte nicht daran, lief durch den Bus und versuchte Freunde, die es nicht hatte, für eine Schlägerei zu gewinnen, die keiner wollte. Er kam wieder, drohte mir und nahm Platz. Mike hielt mich währenddessen zurück, weil der Busfahrer die gerufene Polizei in den Bus ließ. Hase überzeugte sie mit seiner Unschuldsmiene, die Sache wäre vorbei - und der Bus setzte sich wieder in Bewegung. Zuhause angekommen, stiegen wir an der Blauen Lagune aus, um uns im 24 Stunden-Shop noch ein Sixpack für den Heimweg zu genehmigen. Der Junkie nahm die andere Richtung. Während meine Leber die nächste Schichtarbeit herbei sehnte, blies das menschliche Wrack hinter meinem Rücken zum Angriff: Hase warnte mich noch, ich drehte mich um, sah etwas in der Hand des Angreifer aufblitzen, holte aus und traf ins Schwarze. Der Typ setzte sich auf den Asphalt, bekam von mir noch zwei mit auf den Heimweg und Hase nahm mich mit zur Tanke, während der Suchti sich aufrichtete und heulend heim torkelte.
Aber was brauchen solche Typen ständig: Kohle. Und wie bekommen sie die? Durch Anzeigen, nachdem sie mit dem Stress angefangen haben. Also lief er am nächsten Tag zu unseren Freunden in Grün und log das Blaue vom Himmel. Zum Glück standen meine Eltern, Freunde und die Realität hinter mir. Die Falschaussage von Junkieboy flog auf. Nur leider blieb ich auf den Anwaltskosten sitzen. Mein komplettes Weihnachtsgeld ging drauf. Eine Lektion fürs Leben. Aber nicht nur für mich. Das menschliche Wrack hat mich seitdem nie wieder angesprochen.
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