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Donnerstag, 30. Dezember 2010

4. Kapitel: Schön dicht muss es sein

Endlich wieder Freitag. Es war Winter und verdammt kalt. Wir beschlossen, uns im Jugendhaus einen reinzulöten, weil es innen warm und der Alkohol billig war. Wir lümmelten auf einer durchgesessenen Couch in der Ecke und leerten ein Hefeweizen nach dem anderen. Steve verspürte nach ein paar Gläsern einen Druck auf der Blase und ging aufs Klo um zu pissen. Nach einiger Zeit hörte ich vom Klo ein paar Schläge der Sorte “Faust auf Plastik”, wartete kurz und sah den Jugendhaus-Zivi um die Ecke kommen - mit Steve im Schlepptau. Der streng riechende Reggaezottel mit Birkenstock-Sandalen sah nicht sehr erfreut aus und kam dementsprechend schnell zur Sache: “Bier her und dann raus mit Euch. Ihr habt für heute Hausverbot.” Steve grinste nur und sagte, wir könnten auch woanders weitersaufen. Aber ich wollte nicht raus. “Hey Zottel, warum haben wir für heute Hausverbot.” Zu hoch gepokert, er saß am längeren Hebel: “Nenn’ mich nicht so, sonst kommt ihr hier nie wieder rein. Frag doch deinen Kumpel hier, warum er den Handtuchspender vermöbelt hat.” Alles klar. Jacken angezogen, Bier an der Theke abgestellt und raus in die Kälte. Steve lachte nur laut. Ich dann auch.

Aber trotz allem Gelächter: So ein Mist: Es war verdammt kalt und unser Pegelstand für einen Vollsuff noch nicht erreicht. Hier auf dem Land gab es keine Disco, nur ein paar verrauchte Kneipen. Und dort war ein Suff für uns noch unbezahlbar. Es war frustrierend. Doch wenn es nichts gibt, dann gibt es immer noch eine Tankstelle, die 24 Stunden offen hat. Unser Wallfahrtsort. Unser Zwischenstopp auf der Reise zum vollständigen Absturz. Sesam öffne Dich. Die großen Glastüren empfingen uns, als wären sie nur für diesen einen Moment installiert worden. Ein Promille-Paradies von Bier bis Brandy; von sanft bis stark. “Heute im Angebot” stand dort verführerisch auf einem Pappschild, dass in der Pyramide aus Energiedrinks steckte. Heute war unser Tag. Mal wieder. Die Leber schlug schon Purzelbäume; der Kopf war schon seit dem Jugendhaus im Stand-by-Betrieb. Wir kauften eine Flasche Wodka und ein paar Dosen Energiegetränk. “Nicht mit Alkohol mischen” sagte uns die Dose mit erhobenem Zeigefinger. Aber warum nicht? Diese Antwort blieb uns die Blechbüchse schuldig. Wir nahmen sechs Dosen. Jetzt war das einzige Hindernis aus Fleisch und Blut. Die einzige Ordnungshüterin weit und breit. Doch ihr Auftrag lautete weniger “Jugendschutz” sondern “Umsatz”. Als Kassiererin musste sie zwar im Verdachtsfall nach dem Alter fragen, aber ich war für mein Teeniealter schon in der Erwachsenengröße. Freie Bahn mit Wodka-Energie. Wir kauften den Abendfüller und setzten uns zu zweit auf die Bank vor der Tankstelle. Um das Glück perfekt zu machen, hatte uns die Kassiererin noch 2 Plastikbecker mit auf den Weg gegeben. Das hieß: Bechern ohne Ende. Was macht man nun mit dem ganzen Zeug? Trinken: klar. Aber wie schnell? Uns beschäftigte die Frage ziemlich lang und wir beschlossen, es in einem Selbstversuch herauszufinden.

Innerhalb der nächsten sieben Minuten leerten wie die Flasche Wodka und alle 6 Dosen Energiegetränk, um dann die nächste Zeit quer durch den Ort zu torkeln. Steve viel dann ein paar Schritte weiter sein Kaugummi aus dem Mund. Eigentlich nicht weiter tragisch. Immerhin hatte er sich eine ganze Packung an der Tanke geholt. Nur war er schon zu besoffen, um sich einen Neuen aus der Tasche zu holen. Also bückte er sich mit offenem Mund, steckte seinen Kopf in die schöne grüne Wiese, biss zu und hatte den Mund voll Kaugummi und Moos. Die wiedergefundene Gaumenfreude währte aber nicht lange und kurz darauf musste sich mein pflanzenfressender Kumpel unfreiwillig aber heftig übergeben. Ich lachte. Er dann auch. So stolperten wir Arm in Arm die Straßen entlang, schlugen die Zeit tot und gingen nach Hause in unser Bett, um am nächsten Tag und die nächsten Jahre noch jedem von diesem rekordverdächtigen Abend zu berichten.

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