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Mittwoch, 18. Mai 2011

Mari, meine erste große Liebe

Ich werde diese dunkle Höhle nie vergessen, die mir und meinen Freunden sooft eine günstige Heimat war. Wir sammelten uns draußen auf dem betonierten Platz, lange bevor das Mari öffnete, um die ersten am Tresen zu sein. Die drei Stufen hinauf zur Tür und in den Vorraum nahmen wir mit jugendlicher Leichtigkeit. Dann standen wir vor einem Tisch mit einer Registrierkasse, wo eine übergewichtige Mittvierzigerin die 7 Deutschen Mark abkassierte und jedem dafür einen Stempel auf die Hand drückte. Es roch dort nach Bier, Rauch und Schweiß, obwohl die Tür zum Hauptraum noch geschlossen war. Aber für uns war dieser Gestank mehr wert, als jeder andere Duft. Denn er verhieß vor allem eins: Absturzgefahr. Und wir wollten nichts lieber als das. Wir gingen durch die zweite Tür und standen auf einer Art Podest. Dunkel. Verraucht. Schäbig. Vielleicht zehn kleine runde Tische mit jeweils 4 Stühlen dran. Für die, die sitzen wollten - oder nichts anderes mehr konnten. Wir wollten aber nur eins: Bier. Wieder ein paar Stufen, und wir standen kurz vor der Tanzfläche, auf der niemand tanzte, solange das Freibier floss. Ein mit Metall ausgelegter runder Bereich mit einem Podest und einer Stange. Hase hatte so seinen Spaß mit dem Ding. Links war die 3 Meter lange Theke, an der man sein Bier anfangs noch in Pilsgläsern bekam. Irgendwann gingen den Pächtern wohl die Gläser aus - und ich bin mir sicher, noch heute hat jeder zweite Maritrinker sein Glas noch im Schrank. Im Akkord wurde das Bier ausgeschenkt. Zwei Stunden lang. Wir bekamen unser Bier und gingen über die Tanzfläche vier bis fünf Stufen hinauf, in einen durch ein Geländer etwas abgetrennten Bereich mit Blick über das ganze Lokal. Wir stellten uns an die paar Bartische und tranken, so schnell wir konnten, um schnell das nächste Bier zu holen. Nach einigen Pils fiel uns ein Nebenraum auf, er war ungefähr so groß wie die Empore, auf der wir waren und hatte gestapelte Stühle und ein paar Tische, die jemand in eine Ecke geräumt hatte. Wir standen dort einfach rum, redeten kaum etwas, beobachteten die Mädels und überlegten uns, welche wir später ansprechen, wenn der Pegel hoch genug war und die Schüchternheit irgendwo am Grund unserer Leber lag, begraben unter Fluten von Pils. Nur Hase hatte andere Pläne, obwohl er vielleicht das gleiche Ziel im Kopf hatte. Nach 2 Stunden gratis Bier torkelte er auf die Tanzfläche. "Jetzt passiert's, dachten wir: Hase gräbt eine an." Aber er ließ sie alle links stehen und liegen. "Was macht der da?", frage mich Steve. "Kein Plan. Der ist dicht." war meine Antwort. Aber das Mann so dicht sein kann, konnte ich mir bis dato nicht vorstellen. Er kroch auf das Podest, richtete sich auf und gab an der Stange sein bestes. Die Mädels schauten kurz zu ihm hoch und verließen irritiert den Ort des Geschehens. Weit weg. Ganz weit weg. Aber Hase gab alles. Wirbelte an der Stange herum, wie eine Schwäbische Hausfrau mit ihrem Besen an der Kehrwoche. Nur dem Wirt gefiel es überhaupt nicht, dass hier jemand seine sowieso schon überwiegend männliche Kundschaft noch mehr in Überzahl brachte, stieg auf das Podest und holte Hase vom Tatort, damit wenigstens noch ein paar Mädels im Mari blieben. Wir jubelten und johlten. Hase war komplett raus und wir gingen heim. Das Mari, meine erste große Liebe. Und die einzige, die ich mit meinen Freunden geteilt habe. Gerne.

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