So Leute, nach dem Fast-erfolg von Schildkröten-Suppe, den zahlreichen Fast-interviews und Fast-lesungen hatte ich keine Zeit, mein zweites Buch zu promoten. Da kommt mir der Blog gerade recht: In unregelmäßigen Abständen werde ich hier immer wieder Kapitel aus "Hasenfuß - Der junge Mann und das Bier" veröffentlichen. Natürlich in chronologischer Reihenfolge. Ich beginne mit der Widmung. OK, OK: und mit dem 1. Kapitel. Schon klar.
Für Steffen, Umme, Marc und das Mari. Ein Wunder, dass ich mich an all das erinnern kann.
Was wollt Ihr Wichser?
Es war der erste Tag in der neunten Klasse der Realschule. Mein bester Kumpel und ich saßen wie jedes Jahr nebeneinander, um wie jedes Jahr kurz darauf vom erstbesten Lehrer wieder getrennt zu werden. Als die Klassenlehrerin diesmal das Klassenzimmer betrat, war ihr jemand dicht auf den Fersen.
Er kam mir gleich etwas anders vor. Doch nicht verunsichert. Obwohl sein Handicap sofort ins Auge stach. Sogar als der Neuling vor der ganzen Klasse stand und sich vorstellte, war Thyson selbstsicher und sprach ohne ein Stottern oder Verschlucken. Nicht so wie ich, wenn mich ein Lehrer vor die Klasse zitierte. Meinem Kumpel fiel aber nicht auf, was ihn so anders machte - und er fragte mich, was denn mit ihm wäre? Er käme ihm so anders vor. Ich gab ihm den Hinweis, er solle sich das Gesicht des Neuen mal etwas genauer anschauen. Er schlug sich gegen die Stirn und rief “jetzt seh’ ich’s, ein Hasenfuß!“ “Du Blödmann! Das heißt 'Hasenscharte'!“
Thyson hatte uns gehört und kam auf dem Weg zu seinem Platz auf einen Besuch bei uns vorbei. "Was wollt ihr Wichser?" Wir schauten uns an. "Nichts." Für ihn war die Sache noch nicht gegessen: “Ist auch besser für euch. Vielleicht komme ich nach der Schule mit nach Hause und ficke Eure Mütter.” Dann drehte er sich um und setzte sich an einen leeren Tisch. Seine Hasenscharte schien ihn auf Angriff zu polen. Kein Wunder, er zeigte dadurch jedem und ständig die Zähne. Wütend. Pubertär. Angstlos. Anscheinend war er wie wir.
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